{"id":18679,"date":"2021-06-28T08:40:00","date_gmt":"2021-06-28T08:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/cannatrust.eu\/wiki\/2021\/06\/28\/bvcw-interview-neumeyer\/"},"modified":"2022-01-26T09:26:09","modified_gmt":"2022-01-26T09:26:09","slug":"bvcw-interview-neumeyer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cannatrust.eu\/wiki\/bvcw-interview-neumeyer\/","title":{"rendered":"Interview mit BvCW-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer J\u00fcrgen Neumeyer"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit einiger Zeit ist der <a href=\"https:\/\/start.cannabiswirtschaft.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Branchenverbands Cannabiswirtschaft e.V.<\/a> (BvCW) Mitglied unseres <a href=\"https:\/\/cannatrust.eu\/cannatrust-beirat-kompetenzteam\/\">CannaTrust Beirats<\/a>. Wir m\u00f6chten Euch nun den Verein aus Berlin vorstellen und Euch mit in unser Interview nehmen:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CannaTrust.eu: \u201c<em>Wir sind die Stimme der Cannabiswirtschaft\u201d lautet der Slogan des Branchenverbands Cannabiswirtschaft e. V.. Was sind denn Ihre wichtigsten Eckpfeiler? Wie gestaltet sich Ihr vorgehen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p> Neumeyer: &#8222;Wir k\u00fcmmern uns um die Belange, die die Cannabiswirtschaft in Deutschland hat, und zwar in allen bislang legalen Bereichen. D.h.<strong> Medizinalcannabis, Nutzhanf, Hanf in Lebensmitteln, <a href=\"https:\/\/cannatrust.eu\/wiki\/cannabidiol-cbd\/\">CBD <\/a>und andere <a href=\"https:\/\/cannatrust.eu\/wiki\/cannabinoide\/\">Cannabinoide <\/a>f\u00fcr den nicht-medizinischen Gebrauch <\/strong>und alles, was im Umfeld der sonstigen Cannabiswirtschaft wichtig ist: Technik, Handel und Dienstleistungen. Nat\u00fcrlich sind wir nach anderthalb Jahren [die Gr\u00fcndung des BvCW war im Dezember 2019, Anm. der Redaktion] immer noch im Aufbau. Aber mit den Kompetenzen unserer Mitglieder, den politischen Kontakten und mit der fachlichen Unterst\u00fctzung, z.B. in unserem wissenschaftlichen Beirat sind wir auf einem guten Weg, in Zukunft sagen zu d\u00fcrfen: Wir sind <strong>DIE Lobby-Organisation der Cannabiswirtschaft<\/strong> in Deutschland \u2013 hoffe ich zumindest. Insgesamt arbeiten der BvCW jetzt schon daran, verbesserte Marktbedingungen f\u00fcr die Menschen und die Unternehmen der Cannabiswirtschaft umzusetzen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CannaTrust.eu: <\/strong><em><strong>Welche Fachbereiche umfasst die Arbeit des Branchenverbands Cannabiswirtschaft e.V.?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Neumeyer: &#8222;Die Arbeit umfasst nat\u00fcrlich die <strong>Ansprache von Fach-Politikern<\/strong>, die mit dem Thema zu tun haben, in jeglicher Hinsicht. Normalerweise arbeiten wir hier tats\u00e4chlich auf Bundesebene, sowohl mit der <strong>Legislative<\/strong>, also dem Bundestag als auch mit der <strong>Exekutive<\/strong>, also mit der Bundesregierung und den untergeordneten Beh\u00f6rden und zum Teil durch die Zurverf\u00fcgungstellung von Informationen zur Jurisdiktion und \u00c4hnlichem. Wir versuchen parallel nat\u00fcrlich auch eine gewisse <strong>\u00d6ffentlichkeitsarbeit<\/strong> darzustellen; das machen wir \u00fcber Pressemitteilungen und seit einiger Zeit haben wir unsere Publikationsreihe \u201eElemente\u201c Schriftenreihe der Cannabiswirtschaft herausgebracht, die wir immer wieder erg\u00e4nzen und aktualisieren. Was gibt es f\u00fcr Zahlen, was gibt es f\u00fcr Argumente, wie entwickeln sich die politischen Diskussionen und \u00c4hnliches. Sobald wir wieder d\u00fcrfen, wollen wir nat\u00fcrlich auch mit <strong>Fachveranstaltungen<\/strong> und \u00c4hnlichem pr\u00e4sent sein, damit die reale Vernetzung wieder stattfinden kann. Das hatten wir ja jetzt lange Zeit nicht mehr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CannaTrust.eu: <\/strong><em><strong>Herr Neumeyer, Sie sind der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des  BvCWs,<em> sie sind Diplompolitologe,&nbsp; waren in den 1990er Jahren Drogenreferent beim Bundesverband der Jusos und haben auch zum Thema Drogenpolitik und Cannabis publiziert. Stellen Sie sich doch kurz vor.<\/em><\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Neumeyer: &#8222;Ja, gerne. Vielen Dank f\u00fcr diese Gelegenheit. Ende der 1980er Jahre war Drogenpolitik kein \u00f6ffentliches Thema. Ich empfand aber die fundamentalen Ungerechtigkeiten damals \u00e4hnlich denen wie zum \u00a7218 oder zum \u00a7175. Ich war jung und wollte das \u00e4ndern. Die Erz\u00e4hlungen zu Cannabis waren meistens haneb\u00fcchen, die Literaturlage war d\u00fcrftig und die politische Situation nahezu aussichtslos. Es hie\u00df also: Aufkl\u00e4ren und Thematisieren! Wissenschaft musste auf Politik treffen, Betroffene ein Wort bekommen und Medien aktiviert werden.<strong> Die Wirtschaft gab es damals quasi nur illegal<\/strong> &#8211; und hatte wenig Interesse an \u00d6ffentlichkeit oder gar an der Frage, wie man Cannabis in den Fachhandel bringt. Im \u00dcbrigen: <strong>Nicht alles hat sich in diesen 30 Jahren ge\u00e4ndert<\/strong>.&nbsp;Aber immerhin: Die wissenschaftliche Literaturlage ist besser und es gibt Internet; Nutzhanf darf eingeschr\u00e4nkt seit Mitte der 90er wieder angebaut werden und es gibt ein Cannabis als Medizin Gesetz in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt habe ich siebzehn Jahre im Bundestag und dem entsprechenden Umfeld gearbeitet und sp\u00e4ter auf der anderen Seite etliche Jahre als selbstst\u00e4ndiger Politikberater, also als Lobbyist. Das aber auch in ganz anderen Bereichen. Wenn man so will, kenne ich also mehrere Seiten: <strong>Politik und Wirtschaft<\/strong>. Vor rund drei Jahren habe ich entschieden, \u201eback to the roots\u201c zu gehen und wieder sinnvolle Fragen zu bearbeiten. Mit meinen bescheidenen M\u00f6glichkeiten versuche ich nun, Verbesserungen f\u00fcr die Cannabiswirtschaft umzusetzen: <strong>Aufkl\u00e4ren, Lobbyarbeit und Vernetzen! <\/strong>Um bessere Marktbedingungen f\u00fcr unsere Branche zu erreichen und einen rationaleren Umgang mit Cannabis in unserer Gesellschaft zu erm\u00f6glichen.&nbsp;&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CannaTrust.eu:&nbsp; <em>Wir von CannaTrust interessieren uns selbstverst\u00e4ndlich besonders f\u00fcr das Thema CBD. Hier habt ihr einen eigenen Fachbereich. Welchen Fokus habt ihr hier?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neumeyer: &#8222;F\u00fcr CBD-Produkte braucht es einen klaren Rechtsrahmen. <strong>Razzien, monatelange Prozesse, \u00fcberfl\u00fcssige Kontrollen sollten ein Ende haben<\/strong>, wenn wir uns auf folgende Regeln verst\u00e4ndigen:&nbsp; Erstens, einen Dreiklang von Grenzwerten<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>a) f\u00fcr nat\u00fcrlich vorkommendes CBD und den Alltagsgebrauch bedarf es u.E. keine weiteren Einschr\u00e4nkungen. <\/li><li>b) F\u00fcr angereicherte Extrakte sollten Grenzwerte, z.B. im Bereich Novel Food geben und <\/li><li>c) hohe Grenzwerte sollten f\u00fcr den Bereich der CBD-Heil- und Arzneimittel mit entsprechenden Zulassungen gelten. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Wenn wir dann noch <strong>Qualit\u00e4tssiegel mit einheitlichen Analyseverfahren und gute Selbstverpflichtungen der CBD-Wirtschaft<\/strong> vorlegen, w\u00e4ren wir viele Schritte weiter. Daf\u00fcr treten wir ein!<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl wir noch relativ jung sind, konnten wir mit Fachpolitikern aus allen Fraktionen reden. Aus jeder Fraktion haben wir Vorschl\u00e4ge geh\u00f6rt und auch notiert (in <a href=\"https:\/\/start.cannabiswirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/BvCW_ELEMENTE_7_Mitglieder_des_BundestagesMdB_Aussagen_zu_CBD.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">\u201eElemente\u201c, Band 7<\/a> ). Von allen Fachpolitikern wurde vorgeschlagen, dass es einen sinnvollen rechtlichen Rahmen f\u00fcr <a href=\"https:\/\/cannatrust.eu\/wiki\/produkte\/\">CBD-Produkte <\/a>geben soll. Das freut uns sehr, weil dass das erste Mal war, dass uns dies vonseiten der Bundespolitik in dieser kompletten Form signalisiert wurde. Wir sind also sehr zuversichtlich, dass wir sp\u00e4testens nach der Bundestagswahl zu einem Prozess kommen werden, der CBD in Deutschland besser handhabbar macht. Das ist eines unserer gro\u00dfen Themen f\u00fcr den Bereich CBD in Deutschland. Au\u00dferdem sollte in diesem Bereich viel mehr geforscht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00dcbrigen: Nutzhanf und seine Produkte muss aus den F\u00e4ngen des BtmG befreit werden. Auch das ist ein Ziel unseres Verbandes.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CannaTrust.eu:&nbsp;<em>Sie werden im Beirat von CannaTrust vertreten sein. Was halten Sie von unserem Projekt und wo sehen Sie Schnittpunkte in der Zusammenarbeit?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neumeyer: &#8222;Ich finde es grunds\u00e4tzlich richtig, dass wir zu mehr Qualit\u00e4tsaussagen im Bereich von CBD und \u00fcberhaupt von Hanfprodukten kommen. Als Verband arbeiten wir zurzeit selber an Qualit\u00e4tssiegeln und entsprechenden <strong>Analyse- und Pr\u00fcfverfahren<\/strong>. Das ist aber noch nicht fertig. Insofern freue ich mich \u00fcber alle Bem\u00fchungen, die die Markttransparenz bef\u00f6rdern. Das ist n\u00f6tig, weil es leider auch schwarze Schafe in unserer Branche gibt. Die gibt es aber leider \u00fcberall.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CannaTrust.eu:<em> Der Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. dient als Interessenvertretung der gesamten deutschen Cannabiswirtschaft. Wo liegt denn aktuelle besonders Euer Augenmerk?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neumeyer: &#8222;Zum einen m\u00fcssen wir uns darum k\u00fcmmern, dass wir <strong>den Nutzhanf aus den Regularien&nbsp;des Bet\u00e4ubungsmittel-Gesetzes befreien<\/strong>. Hier sehen wir momentan eine Entwicklung, dass es zunehmend Restriktionen, zunehmend schwierige Einsch\u00e4tzungen der Rechtslage und der Auslegung gibt, obwohl sich das Gesetz seit fast drei\u00dfig Jahren \u00fcberhaupt nicht ge\u00e4ndert hat. Und deswegen ist es besonders wichtig, dass wir mindestens den Nutzhanf aus dem BtMG gestrichen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer Punkt ist z.B.: Wir m\u00fcssen zu mehr <strong>Entb\u00fcrokratisierung im Bereich Medizinalcannabis<\/strong> kommen, auch die Anerkennungsquoten durch die gesetzlichen Krankenversicherungen sollten erh\u00f6ht werden. Insgesamt brauchen wir im Bereich Cannabis mehr Forschung und ein <strong>verl\u00e4sslicheres, wirtschaftliches Umfeld<\/strong>. In anderen Teilen der Welt sind sie uns um Jahre voraus. Wir m\u00fcssen aufholen! In Deutschland und der EU. Das geht nur mit fairen Marktbedingungen und handhabbaren Regularien.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>CannaTrust.eu:<em> Was sind Eure n\u00e4chsten Ziele? Wo sehen Sie die deutsche Cannabiswirtschaft in den n\u00e4chsten Jahren?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neumeyer: &#8222;Aktuell m\u00fcssen wir uns nat\u00fcrlich um die CBD-Fragen k\u00fcmmern. Dort ist am meisten Druck. Bei Medizinalcannabis stehen z.B. Fragen zum <strong>Regressausschluss der \u00c4rzte<\/strong> und die hohen <strong>Ablehnungsquoten der Kostenerstattung <\/strong>durch die gesetzlichen Krankenkassen an. Wir k\u00fcmmern uns nat\u00fcrlich auch um die aktuellen <a href=\"https:\/\/cannatrust.eu\/wiki\/thc\/\">THC<\/a>-Grenzwerte bei Nutzhanf\/ CBD-Produkten. Unser Ziel ist eine <strong>Obergrenze von 1,0 %<\/strong>, so wie in der Schweiz. Wir k\u00fcmmern uns auch um Entb\u00fcrokratisierung, gerade was den Anbau von Nutzhanf und \u00c4hnliches anbelangt, z.B. Bl\u00fchmeldungen oder Erntefreigaben, kleinteilige \u00fcberfl\u00fcssige Geschichten. Vor Kurzem haben wir eine Umfrage zur Restriktion von Zahlungsdienstleistern, die in der Hanfbranche immer wieder vorkommen, durchgef\u00fchrt oder zum sogenannten \u201cShadow Ban\u201d, dass man bei den ganzen Werbungen nicht auftaucht, wie bei PayPal, Amazon und in anderen sozialen Medien. Ein weiteres Problem ist, dass manche Hanfunternehmer \u00fcberhaupt kein Bankkonto er\u00f6ffnen k\u00f6nnen &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Thema sind <strong>vern\u00fcnftige Grenzwerte bei den CBD-Produkten<\/strong>. Nat\u00fcrlich vorkommendes CBD sollte f\u00fcr den Alltagsgebrauch nicht weiter reguliert werden. Wir brauchen au\u00dferdem einen Bereich, in dem wir Grenzwerte haben, innerhalb dessen man CBD durchaus als Novel Food deklarieren sollte bzw. das Produkt von der Novel Food Verordnung erfasst werden sollte. Und wir brauchen verl\u00e4ssliche Grenzwerte, ab wann <strong>CBD als Heil- oder Arzneimittel<\/strong> gehandhabt wird. Diesen Dreiklang sollten wir in Deutschland vielleicht sogar EU-weit regulatorisch ins Auge fassen und durchsetzen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cannatrust.eu:<\/strong><em><strong> Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch. Wollen Sie unseren Partnern noch etwas mitgeben?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Neumeyer: &#8222;Ich danke ebenfalls f\u00fcr diese Gelegenheit. Ja, gerne: Falls der ein oder die andere sich in unseren Zielen wieder findet\u2026 Lobbyarbeit kostet Geld und Engagement. Wir freuen uns also auf <strong>tatkr\u00e4ftige neue Mitglieder<\/strong>, die unserer Branche langfristig einen guten Weg bauen wollen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einiger Zeit ist der Branchenverbands Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) Mitglied unseres CannaTrust Beirats. Wir m\u00f6chten Euch nun den Verein aus Berlin vorstellen und Euch mit in unser Interview nehmen: CannaTrust.eu: \u201cWir sind die Stimme der Cannabiswirtschaft\u201d lautet der Slogan des Branchenverbands Cannabiswirtschaft e. V.. Was sind denn Ihre wichtigsten Eckpfeiler? Wie gestaltet sich Ihr vorgehen? 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