Cannabis als Therapie: Zuviel Potenzial für die zweite Reihe

Cannabis in Apotheken

Die Versorgung von Patienten, die aufgrund der unterschiedlichsten medizinischen Indikationen von Cannabis profitieren würden, ist in Deutschland nicht sichergestellt. Für viele Apotheken lohnt sich das Rezeptgeschäft mit Präparaten der Heilpflanze nicht. Und wer sich als Apotheker dafür entscheidet, muss erst einen aufwendigen Verwaltungsprozess durchlaufen. Aber auch von ärztlicher Seite ist man zurückhaltend mit Verschreibungen, schließlich fehlt es auch hier an Akzeptanz. Besonders kritisieren Experten, dass eine Cannabis-Therapie bislang nicht in die Leitlinien zur Behandlung chronischer Schmerzen aufgenommen wurde. Dabei ist Hanf sehr wirksam und hat weitaus weniger Nebenwirkungen als beispielsweise Morphine. Was fehlt sind offizielle Studien, die eine Aufnahme in die Leitlinien erleichtern würden. Aber auch dies gestaltet sich als sehr schwierig.

„Am liebsten gestern!“, so die deutliche Einschätzung von Melanie Dolfen, Apothekerin und Mitglied im Verband der Cannabis versorgenden Apotheker (VCA), wann und wie dringend Cannabis als offizielle Therapie gegen chronische Schmerzen in die entsprechenden Leitlinien aufgenommen werden sollte. Denn das genau dies bis heute nicht der Fall ist, ist auch Grund dafür, dass Schmerzpatienten das Pflanzenprodukt nur sehr zurückhaltend von ihren Ärzten verschrieben bekommen. An Evidenz mag es mangeln, nicht aber an ermutigenden Patientenberichten. 

Aufnahme in Leitlinien durch mehr Placebo-kontrollierte Studien 

Abgesehen von der fehlenden Abbildung in den Leitlinien besteht de facto kein Zweifel daran, dass mit Hanf eine Schmerzreduktion erzielt werden kann, jedenfalls bei sehr vielen Patienten. Schaut man auf das Nebenwirkungsprofil, schneidet Cannabis ebenfalls günstig ab. Es gilt als verträglicher als andere Schmerzmittel, wie zum Beispiel Opiate. Als einzige Chance auf eine Aufnahme in die Leitlinien zur Behandlung chronischer Schmerzen ist mehr Evidenz. Gerade Placebo-kontrollierte Studien mit Cannabis-Produkten erweisen sich als schwierig. Doch Marcus Reussmann vom deutschen Cannabisunternehmen Aurora ist vorsichtig optimistisch:

„Aktuell laufen mehrere kleine Studien in verschiedenen Indikationen, die in den nächsten Jahren für eine hoffentlich bessere Evidenz sorgen werden“, so der Branchen-Insider. 

Flächendeckende Versorgung durch Apotheken ist nicht gegeben

Doch selbst wenn der Arzt das Rezept schließlich ausgestellt hat, bedeutet das noch lange nicht, dass der Patient schnell zu seinem Präparat kommt. Denn eine flächendeckende Versorgung ist nicht gegeben. Die Belieferung durch Händler an stationäre Apotheken ist zeitaufwändig und nicht immer zuverlässig, zudem lohnt sich das Rezeptgeschäft mit Cannabis-Präparaten finanziell oft nicht. Hier, so Melanie Dolfen, sind Vereinfachungen seitens der Gesetzgeber dringend erforderlich. Aktuell ist die Entwicklung teilweise konträr: Anstatt einer Aufnahme in die Leitlinien oder einer generelle Rezeptpflicht gibt es politische Bestrebungen, viele Cannabis-Produkte wieder als BTM einzustufen. Da gehört es laut Meinung vieler Experten definitiv nicht hin. Denn das wäre ein Platz in der dunkelsten Ecke. Und betrachtet man die Erfahrungen, die gerade Schmerzpatienten mit der Heilpflanze gemacht haben, gehört Hanf nicht einmal in die zweite, sondern in die erste Reihe einer modernen Therapie. Aber dazu gehört nun einmal eine Abbildung in den Leitlinien und eine breite Versorgung durch die Apotheken.  

Quellenangabe

  • Lang C. Diskussionsrunde: Cannabis muss als Therapieoption selberverständlich werden. Pharmazeutische Zeitung, Veröffentlichungsdatum: 06.10.2020, Abrufdatum: 08.10.2020

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