Cannabiskonsum löst sehr selten akute Psychosen aus

Kiffen und Psychosen studien

Europa. Eine europäische Studie zeigt, dass durch den Konsum von Cannabis sehr selten akute Psychosen ausgelöst werden. Bestehende psychiatrische Störungen und junges Alter begünstigen eine akute Psychose durch Kiffen.

Risikofaktor: bestehende psychiatrische Störungen

Die Studie in der Fachzeitschrift Translational Psychiatry fand heraus, dass weniger als ein halbes Prozent (0,47 Prozent) der Studienteilnehmer angaben, durch Cannabiskonsum eine Psychose erlitten zu haben. Ein Team aus Wissenschaftlern aus Australien, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich werteten das Auftreten von „Cannabis-assoziierten psychotischen Symptomen (CAPS)“ im Laufe des Lebens einer Kohorte von 233 000 europäischen Konsumenten aus. Die Daten stammen aus den Jahren 2014 bis 2019.

Die Daten zeigen, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer Psychose erhöht durch eine vorherige Diagnose einer bipolaren Störung, Angststörungen, Depressionen oder einer vorherigen Psychose und dass jüngere Menschen etwas gefährdeter sind als Ältere. Die Wirkung von THC in der Hanfpflanze ist psychoaktiv und steht in Verdacht, Psychosen auszulösen.

Genetische Anfälligkeit für Psychosen

Die Forscher kommentierten wie folgt:

„Unsere Ergebnisse stehen im Einklang mit der Idee einer gemeinsamen (genetischen) Anfälligkeit, die ein Risiko darstellt, das für alle psychiatrischen Störungen gilt. Die hier beobachteten CAPS-Raten sind vergleichbar mit den Raten anderer drogeninduzierter Psychosen, wie z. B. der alkoholbedingten Psychose (etwa 0,4 bis 0,7 Prozent).“

Krankenhausaufenthalt durch Marihuana selten 

Im Juli wurde in der Fachzeitschrift Substance Use & Misuse eine kanadische Studie mit ähnlicher Ausrichtung veröffentlicht. Beide Studien kamen zu dem Ergebnis, dass der Konsum von THC (auch von medizinischem Cannabis) nur ein geringes Risiko für einen psychiatrischen Krankenhausaufenthalt beinhaltet.

Für die Studie aus Kanada wurde eine Kohorte von über 23 000 Studienteilnehmern über einen durchschnittlichen Zeitraum von 240 Tagen beobachtet. Nur 26 Patienten wurden in diesem Zeitraum explizit wegen psychischer oder Verhaltensstörungen aufgrund ihres Cannabiskonsums ins Krankenhaus eingeliefert. 

Kritik

Positiv ist, dass beide Studien sehr große Teilnehmerzahlen einschließen. Die Studienteilnehmer wurden im Fall der europäischen Studie über die Lebenszeit beobachtet. Allerdings vertraut die Studie auf die Selbstauskunft der Teilnehmer.

Die kanadische Studie hingegen basiert ihre Ergebnisse auf einer breitangelegten Verhaltensbeobachtung.

Die Ergebnisse

Die Ergebnisse beider Studien widerspricht den Sorgen einiger Gegner der Cannabislegalisierung, dass der Konsum von Marihuana ein Auslöser für psychische Störungen und Psychosen ist. 

Quellen:

Studien:

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