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Neue Studie: Wirkt Cannabis gegen Hirntumore?

Hilft Cannabis gegen Gehirntumore?
Geschrieben von Doris Lolling

Phase I einer von der Universität Leeds durchgeführten Studie lieferte vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung aggressiver Hirntumore.

Die Studie

In Phase I der Studie wurde 27 Patienten mit wiederkehrenden Glioblastomen zusätzlich zur Chemotherapie das Mundspray Sativex verabreicht, ein verschreibungspflichtiges Medikament, das Cannabinoide (CBD und THC) enthält und bereits gegen Multiple Sklerose eingesetzt wird. Sativex hat das Potenzial bei Patienten mit Glioblastomen lebensverlängernd zu wirken und wird in Verbindung mit Chemotherapie gut vertragen. Es wurde beobachtet, dass nach einem Jahr eine größere Anzahl von Patienten überlebt hatte als in der Placebo-Gruppe.  

Weiteres Vorgehen

Nun soll in einer zweiten Phase das Medikament in 15 NHS (National Health Service) Krankenhäusern eingesetzt werden. Diese Phase ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Brain Tumor Charity finanziert. Die University of Birmingham übernimmt die Organisation. Zurzeit werden mehr als 230 Patienten im gesamte Vereinigten Königreich gesucht, um Anfang 2022 mit der Studie zu beginnen. Die Finanzierung muss noch sichergestellt werden. 

Aufgrund der Pandemie gab es erhebliche Einkommenseinbußen, daher veröffentlichte Brain Tumor Charity einen Spendenaufruf, um 450 000 GBP einzuwerben. 

Experten hoffen, dass Sativex nach der 2007 eingeführten Temozolomid-Therapie als weiteres Heilmittel für die Therapie von Glioblastomen vom NHS zugelassen wird. 

Ziele der Studie

Die leitende Forscherin, Professor Susan Short, Professorin für Klinische Onkologie und Neuro-Onkologie an der Universität von Leeds formuliert Ihre Ziele wie folgt:

„Die Behandlung von Glioblastomen ist nach wie vor äußerst schwierig. Trotz Operation, Bestrahlung und Chemotherapie wachsen fast alle dieser Hirntumore innerhalb eines Jahres wieder, und leider gibt es nur sehr wenige Möglichkeiten für die Patienten, wenn dies geschieht.“

„Glioblastom-Hirntumore haben nachweislich Rezeptoren für Cannabinoide auf ihrer Zelloberfläche, und Laborstudien an Glioblastomzellen haben gezeigt, dass diese Medikamente das Tumorwachstum verlangsamen können und besonders gut wirken, wenn sie zusammen mit Temozolomid eingesetzt werden.“

„Nachdem wir vor kurzem gezeigt haben, dass eine spezifische Cannabinoid-Kombination, die als orales Spray verabreicht wird, sicher zur Temozolomid-Chemotherapie hinzugefügt werden kann, freuen wir uns sehr darauf, auf diesen Erkenntnissen aufzubauen und zu prüfen, ob dieses Medikament Glioblastom-Patienten in einer großen randomisierten Studie zu einem längeren Leben verhelfen könnte.“

Die Behandlung von aggressiven Hirntumoren

Jedes Jahr erkranken 2 200 Menschen an Glioblastomen allein in England. Die Tumore wachsen üblicherweise schnell, sind kaum vom umgebenden Gewebe abgegrenzt und bilden fadenähnliche Strukturen, die in andere Gehirnbereiche eindringen. Die aktuelle Überlebenszeit ab Diagnose beträgt zwölf bis achtzehn Monate. In den letzten zehn Jahren wuchs das internationale Interesse bezüglich der Wirkweise von Cannabinoiden bei Hirntumoren. Nicht nur die Linderung von Beschwerden, sondern auch die Wirkung auf den Hirntumor selbst sollen untersucht werden. Eine gute Anzahl von Studien deutet darauf hin, dass die Cannabinoide THC und CBD das Wachstum von Hirntumorzellen verringern und die Blutzufuhr zum Tumor stoppen könnten. Der klinische Beweis für diese These wurde jedoch bisher nicht erbracht.

Das Leben mit einer Glioblastom-Diagnose

Stephen Lee, 62, aus Leyland in Lancashire ist einer der Teilnehmer der Studie. Er bekam seine Diagnose im Jahr 2010, wenige Monate nachdem er seinen Bruder an genau diese Krankheit verloren hatte. Er kam mit Kopfschmerzen und stechenden Schmerzen im rechten Auge früher von der Arbeit nach Hause. Seine Frau bestand darauf, dass er sich sofort im Krankenhaus untersuchen ließ. In der folgenden Woche wurde er operiert und bekam im Anschluss Sativex verabreicht in Kombination mit Chemotherapie und Bestrahlung. Er nahm das Mundspray bis zu zehnmal am Tag, ohne zu wissen, ob er das Medikament oder das Placebo bekam. Seit 2016, dem Ende der Studie, sind seine Gehirnscans ohne Befund. Er sagt: 

„Diese neue Studie ist so wichtig, weil sie den Menschen Hoffnung gibt, dass es ein Leben nach der Glioblastom-Diagnose geben kann und dass andere Behandlungen erprobt werden, um sie in ihrem Leben zu unterstützen.“

Ablauf von Phase II der Studie im Einzelnen

Der Ablauf von Phase II der Studie ist wie folgt geplant: 232 Teilnehmer sollen in 15 NHS Krankenhäusern rekrutiert werden. Zwei Drittel von ihnen werden Tomozolomid und Sativex bekommen, das andere Drittel Temozolomid und ein Placebo. Die Patienten werden gebeten, das Mundspray bis zu zwölfmal am Tag zu benutzen und die verabreichten Medikamente über die Mundschleimhaut aufzunehmen. Während der Studie werden die Patienten regelmäßig untersucht mit Bluttests und MRI-Scans. Außerdem werden sie gebeten, Fragebögen auszufüllen und die App BRAIN von Charity zu nutzen. 

Die Studie wird messen, ob sich durch die Gabe von Sativex die Lebenszeit verlängert und die Lebensqualität verbessert. 

Ausblick

Dr. David Jenkins, Übergangsleiter von The Brain Tumor Charity, sagte: Er hoffe, dass die Ergebnisse der Studie dazu führen würden, dass Patienten mit Hirntumoren mehr Lebenszeit verschafft würde. Die Ergebnisse würden mit Spannung erwartet. 

In der Zwischenzeit werden auch andere Cannabis-Produkte getestet, Dr. Jenkins weist jedoch darauf hin, dass dazu ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt geführt werden sollte. 

Quelle:

https://www.leeds.ac.uk/news-health/news/article/4883/world-first-trial-tests-cannabis-based-drug-on-aggressive-brain-tumours

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Über den Autor

Doris Lolling

Doris Lolling

Doris Lolling ist seit Anfang 2021 bei CannaTrust dabei und schon seit Anfang der Zweitausender Jahre ein großer Fan von Hanfkleidung. Sie interessiert sich generell für Medizin aus Pflanzen, ganz besonders aus Nutzhanf. Doris schreibt hin und wieder Artikel für das CannaTrust-Magazin.