Wirkung

Der Entourage-Effekt

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Geschrieben von Stefan K.

Was ist der Entourage-Effekt?

Stellen Sie sich vor, das Cannabinoid CBD (Cannabidiol) wäre ein Ritter, dessen Vielseitigkeit ihn zu einem effektiven und effizienten Beschützer ihres körperlichen Königreichs macht. Aber auch ein Ritter ist oftmals nur so gut, wie seine Entourage, sprich sein Gefolge, es zulässt.

Die beiden bekanntesten Cannabinoide sind das psychoaktive THC und das nicht-psychoaktive CBD. Aber diese zwei sind nicht die einzigen in Hanf enthaltenen Wirkstoffe, die einen Effekt auf unseren Körper ausüben können. Es gibt Krankheiten oder auch unangenehme körperliche Beschwerden, bei deren Linderung das CBD alleine nicht ausreicht. Erst das Zusammenspiel mit anderen aus der Hanfpflanze gewonnen Inhaltsstoffen entfaltet oftmals die heilenden Wirkungen.

In vielen Studien wurde nachgewiesen, dass CBD hemmende Eigenschaften bei der Wahrnehmung von Schmerzen hat und dass es entzündungshemmend wirkt. Auch Nebenwirkungsraten, die durch die Einnahme pharmazeutischer Medikamente auftreten können, werden durch die Verwendung von CBD heruntergesetzt. All diese Wirkungen funktionieren laut neuesten Erkenntnissen auch durch das Zusammenspiel von CBD mit anderen Hanfstoffen – die Fachwelt spricht vom Entourage-Effekt.

Das Zusammenspiel von Cannabinoiden und Terpenen

Zur Entourage von Cannabinoiden zählen die Terpene. Diese sind nicht nur ein Baustein des Hanfs, sondern von über 2.000 weiteren Pflanzenarten – darunter auch von Früchten. Terpene sind der Grund, warum Pflanzen so riechen, wie sie riechen. Ihnen kommt in der Flora die Aufgabe zu, zum einen Fressfeinde mit üblem Gestank fernzuhalten, zum anderen Bestäuber wie Bienen mit für diese wohlduftenden Gerüchen anzulocken. Wir Menschen nehmen Terpene beispielsweise als den Wohlgeschmack war, wenn wir in eine saftige und perfekt reife Mango beißen.

Gewonnen werden Terpene aus den Harzdrüsen der Cannabispflanze. Sie liegen dort als ätherische Öle vor. Wie edle Parfüms werden Terpene durch Heiß- oder Kaltpressung, durch Extraktion oder auch durch Wasserdampfdestillation gewonnen.

So vielfältig die positiven Auswirkungen von CBD auf den Körper sind, so vielfältig sind auch die Terpene, die in den Cannabispflanzen bisher entdeckt wurden – aktuelle Zahlen bewegen sich bei rund 200 verschiedenen. Zwar gehen Forscher bei vielen dieser unterschiedlichen Terpene aufgrund ihres geringen Mengenanteils in der Hanfpflanze bei einigen davon nicht von einer relevanten Wirkung auf den Körper aus, aber im großen Zusammenspiel entstehen messbare und positiv wirkende Synergie- oder auch Entourage-Effekte.

Das Zusammenspiel zwischen Cannabinoiden und Terpenen erklären sich Forscher dadurch, dass das hanfinhärente Stoffgemisch eine höhere Bioaktivität produziert als ein Inhaltsstoff dies allein vermag. Dabei stellte sich heraus, dass die harmonische Verknüpfung von Cannabidiol und Terpenen nicht nur die tatsächliche Wirkungsweise determiniert, sondern diese und auch andere Wirkungen verstärken kann. Hierbei sorgt der Entourage-Effekt dafür, dass CBD bereits in kleinsten Dosen die gewünschten Wirkungen auslöst.

Vor- und Nachteile von Vollspektrum-Extrakten

Wie nun dargelegt beeinflussen u.a. Terpene die Wirkungsweise von CBD – gleiches gilt selbstverständlich auch bei anderen Cannabinoiden. Viele Hersteller von Hanfprodukten isolieren CBD und vernachlässigen bewusst oder unbewusst den nachweislich wirksamen Entourage-Effekt. Es ist nämlich auch ganz klar zu sagen: Vollspektrum-Extrakte sind nicht automatisch „besser“, sondern wirken schlichtweg in einigen Bereichen besser. Es gibt aber durchaus Anwendungsfälle, in denen absichtlich auf isoliertes CBD gesetzt wird.

Mittlerweile haben aber immer mehr Produzenten erkannt, dass Vollspektrum-Extrakte oft eine exzellente Wahl sind und bringen diese auf den Markt. Sie beinhalten neben den Hauptkomponenten (vor allem CBD) auch zahlreiche andere Wirkstoffe (Cannabinoide), die sich in der Cannabispflanze befinden.

Der Vorteil bei Vollspektrum-Extrakten ist, dass alle positiven Wirkungen und „Nebeneffekte“, die in der Cannabispflanze schlummern, auf den Körper einwirken können. In diesem Zusammenspiel liegt aber auch ein Nachteil begraben. Isoliert untersuchte und verkaufte Wirkstoffe können im Vorfeld exakt auf ihre Wirkungsweisen geeicht werden. Zwar reagieren die Menschen auf die gleiche CBD-Dosis oftmals different, aber die Richtung ist in der Regel die gleiche. Nimmt man nun Terpene und weitere Cannabinoide hinzu, können andere Effekte auftreten.

Studien zum Entourage-Effekt

Wirkstoffisolierende Laboruntersuchungen sind gängige Praxis, speziell bei pharmazeutischen Produkten. Es gilt, den Wirkstoff in einem hohen Reinheitsgrad zu testen. Dies galt bis vor wenigen Jahren auch in der Cannabidiol-Erforschung als Paradigma. Durch die Entdeckung des Entourage-Effekts kam es allerdings auch bei den Studien und deren Parametern zu einem richtungsweisenden Paradigmenwechsel.

Vereinzelt befassten sich schon vor Jahrzehnten Forscher mit dem Entourage-Effekt. 1976 wurde eine Studie von Dalton und anderen publiziert, die an 15 Versuchsteilnehmern die Wirkweisen von THC und CBD in hohen Dosen testeten, indem sie diese verabreichten. 73 Prozent der Teilnehmer gaben damals an, dass das High-Gefühl bei der Einnahme von beinahe reinem THC sehr stark war. Zwar darf hier die Allgemeingültigkeit der Studie bei einer Gruppe von 15 Personen noch bezweifelt werden, aber die Ergebnisse lassen durchaus den Schluss zu, dass allein das Zusammenspiel von THC und CBD das High-Gefühl nicht ausarten lässt. Dies war letztlich der erste Nachweis des Entourage-Effekts.

Fünf Jahre später wurde der Effekt dann in einer Studie des Teams Fairbairn/Pickens bestätigt. Sie kamen in ihrer 1981 veröffentlichten Studie[1] zu dem Schluss, dass das gesamte Pflanzenextrakt des Hanfs die psychoaktive Wirkung des reinen THC beeinflusst.

Viele Jahre später, genauer in einer 2013 der Öffentlichkeit vorgestellten Studie[2], wurden Patienten untersucht, die Marihuana auf medizinischer Basis konsumierten. Die befragte Gruppe umfasste dabei 953 Personen. Dabei wurde unter anderem gefragt, ob die Patienten medizinisches Marihuana oder das pharmazeutische Medikament Marinol bevorzugen würden. 98 Prozent der Befragten zogen das Marihuana vor. Bei der Auswertung der Ergebnisse ist vor allem ein Punkt interessant – die Menschen nahmen lieber das Mittel, welches am Entourage-Effekt positiv partizipiert, als jenes, dass diesen Effekt unterdrückt.

Kurz gesagt

  • Als Entourage-Effekt bezeichnet man die Tatsache, dass ein Gemisch verschiedener Pflanzenstoffe eine „höhere biologische Aktivität“ hat, als eine (isolierte) Reinsubstanz.


[1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2071597/ – 27.07.2019

[2] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24175484 – 27.07.2019

Bei der Einnahme von cannabinoidhaltigen Produkten kann es unter Umständen zu Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten kommen. Sollten Sie selbst Medikamente einnehmen, dann so ist der Einsatz von CBD und anderen Cannabinoiden vorher mit dem behandelnden Arzt abzusprechen.

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Über den Autor

Stefan K.

Stefan ist nicht nur ein wertvoller Bestandteil des CannaTrust Magazins, nein er besticht auch mit einem fundierten Wissen zur Wirkungsweise von Cannabinoiden. Als Autor aus Österreich sammelte er gute Erfahrungen unter anderem für das Stadtblatt Salzburg. Auf "Cannabis" gekommen ist er durch die vielen positiven Medienberichte. Von der Wirkung überzeugt, schreibt er nun fundiert über alle Themenbereiche rund um das bekannteste Cannabinoid "CBD".